Eine filmische Konfrontationstherapie: Seit der Wahl Donald Trumps plagen den Filmemacher Travis Wilkerson Albträume von der nuklearen Apokalypse. Um der Angst Herr zu werden, entscheidet er sich, eine alte Familientradition wiederaufleben zu lassen. Mit seiner Frau und seinen Kindern begibt er sich auf einen Roadtrip entlang der Raketensilos im »schwarzen Herzen« der Vereinigten Staaten. Immer dabei: die Kamera. Er findet eine Landschaft vor, in die bereits eine teilweise wesentlich ältere Geschichte der Vernichtung, des Krieges und der Umweltkatastrophen eingeschrieben ist. Unterbrochen werden die statischen Einstellungen von umzäunten Landschaften, Motels und Botanik immer wieder von der surrealen Erhabenheit alter Atomtest-Analogaufnahmen. Apokalyptische Pilzwolken steigen in den spektakulärsten Farben in den Himmel hinauf, teils unterlegt mit passender Musik wie Sun Ras »Nuclear War«. Schöner war der Schrecken nie. Ein Essayfilm, der in Zeiten, in denen Corona und Klimakatastrophe die Nachrichten bestimmen, eine ältere, aber nicht weniger reale Bedrohung der Welt auf sehr persönliche Weise ins Bewusstsein zurückholt. (Text: Berlinale Programm)
Besondere Erwähnung der Jury, Altered States Wettbewerb Internationales Filmfestival Mar del Plata: »Dieser bemerkenswerte Film, der verschiedene Genres wie Home Movies, politische Dokumentarfilme und Archivschätze miteinander verbindet, stellt eine unerwartet persönliche, intelligent und prägnant konstruierte Kritik an der Besessenheit Amerikas dar, die seit mehr als einem Jahrhundert auf Krieg und die Zerstörung anderer gerichtet ist. Das Trauma dieser Besessenheit wird als etwas analysiert, das Seelen und Familien verändert, während es gleichzeitig die Erde zerstört und Völker auslöscht. Wilkersons Dialektik, die zwischen der Erfahrung seiner eigenen Familie in diesem historischen Panorama und der unheimlichen und stillen Leere eines Landes oszilliert, dessen einheimische Bevölkerung dezimiert und durch immer zerstörerischere Waffen ersetzt wurde, die sich gegen andere vermeintliche Feinde richten, wirft mit Nachdruck die ungelöste und immer noch gültige nationale Ideologie auf.«
Erin und Travis Wilkerson, USA, SG 2021, 95min, OmeU
Eine filmische Konfrontationstherapie: Seit der Wahl Donald Trumps plagen den Filmemacher Travis Wilkerson Albträume von der nuklearen Apokalypse. Um der Angst Herr zu werden, entscheidet er sich, eine alte Familientradition wiederaufleben zu lassen. Mit seiner Frau und seinen Kindern begibt er sich auf einen Roadtrip entlang der Raketensilos im »schwarzen Herzen« der Vereinigten Staaten. Immer dabei: die Kamera. Er findet eine Landschaft vor, in die bereits eine teilweise wesentlich ältere Geschichte der Vernichtung, des Krieges und der Umweltkatastrophen eingeschrieben ist. Unterbrochen werden die statischen Einstellungen von umzäunten Landschaften, Motels und Botanik immer wieder von der surrealen Erhabenheit alter Atomtest-Analogaufnahmen. Apokalyptische Pilzwolken steigen in den spektakulärsten Farben in den Himmel hinauf, teils unterlegt mit passender Musik wie Sun Ras »Nuclear War«. Schöner war der Schrecken nie. Ein Essayfilm, der in Zeiten, in denen Corona und Klimakatastrophe die Nachrichten bestimmen, eine ältere, aber nicht weniger reale Bedrohung der Welt auf sehr persönliche Weise ins Bewusstsein zurückholt. (Text: Berlinale Programm)
Besondere Erwähnung der Jury, Altered States Wettbewerb Internationales Filmfestival Mar del Plata: »Dieser bemerkenswerte Film, der verschiedene Genres wie Home Movies, politische Dokumentarfilme und Archivschätze miteinander verbindet, stellt eine unerwartet persönliche, intelligent und prägnant konstruierte Kritik an der Besessenheit Amerikas dar, die seit mehr als einem Jahrhundert auf Krieg und die Zerstörung anderer gerichtet ist. Das Trauma dieser Besessenheit wird als etwas analysiert, das Seelen und Familien verändert, während es gleichzeitig die Erde zerstört und Völker auslöscht. Wilkersons Dialektik, die zwischen der Erfahrung seiner eigenen Familie in diesem historischen Panorama und der unheimlichen und stillen Leere eines Landes oszilliert, dessen einheimische Bevölkerung dezimiert und durch immer zerstörerischere Waffen ersetzt wurde, die sich gegen andere vermeintliche Feinde richten, wirft mit Nachdruck die ungelöste und immer noch gültige nationale Ideologie auf.«