Kurzfilmprogramm

Dokumentarfilmwoche Hamburg
  • GenreKurzfilme

Of Stains, Scrap & Tires (Hamburger Premiere)
Sebastian Brameshuber (R), Klemens Hufnagl (K), AUT/FR 2014, 19 min, dt./engl. OmeU

Fest in der Kurve haftend und doch leicht, lautlos schwebend wie ein Schatten – so lobte Bertolt Brecht das Fahrgefühl in einem Automobil der Steyr-Werke. Am Erzberg in der Steiermark gehen drei Männer ihrer Arbeit nach: Am Handy wird nach Gebrauchtwagen für den Ankauf gesucht, Ersatzteile werden eingelagert, Pkws für den Seetransport nach Afrika vorbereitet. Laubblätter und Staub decken die zurückgebliebenen Karosserien zu, ihr Blech ist vom Rost neu eingefärbt. Präzise ins Bild gesetzte Details erzählen von der besonderen Rolle, die das Auto in unserer Welt und ihrer Wirtschaft spielt.

Gast: Sebastian Brameshuber

Infos: http://www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/2190

Baba Evi
Akin Sipal (R), Yannick Kaftan (K), D/TRK 2015, 25 min, OmU

„Das Haus meiner Väter in Adana ist ein generationenübergreifendes Friedensangebot.“ Ein Ort, an dem sich lose Erzählungen und Erinnerungen zu einer Familiengeschichte verweben lassen: Die eines Vaters, der die Türkei in Richtung Deutschland verlassen hat. Die eines Großvaters, der ganz für die Sprache und ihre bewahrende Kraft lebt, sich aber nicht selbst dokumentieren lassen will. Und die des Filmemachers selbst, der Ton- und Bildaufnahmen zu seiner eigenen Filmsprache verdichtet, in der die Hoffnung auf Orientierung ebenso ihren Ausdruck findet wie die bleibende Leerstelle. Ein Übersetzer, der nicht interviewt werden will; der ein Schriftsteller ist und lieber Schriftsteller sein will, als Vater; der aber Vater ist. Dessen Sohn, der kein Schriftsteller ist, sondern Psychologe und radikaler Konstruktivist; der ein guter Vater sein will; der seinen Sohn zum Schriftsteller erzieht? Ein Film der die Beziehungsrelationen dreier Generationen Männer abzubilden versucht, die in all ihrer Unterschiedlichkeit fundamentale Gemeinsamkeiten pflegen:
Eine Affinität zur Sprache und ein gemeinsames Haus in Adana.

Gast: Akin Sipal

Stadt der Elefanten
Marko Mijatovic (R), Paul Spengemann (K), D 2015, 29 min, OmU

Dichter Schneefall schiebt sich vor den Horizont. Das Weiß bedeckt schroffe Felswände und Tannenwälder, Straßen und Hausdächer. Eine Ortsbegehung im tiefsten Winter: Vareš liegt in den bosnischen Bergen, einst florierte hier der Bergbau. Doch Krieg und ethnische Konflikte haben die Stadt für immer verändert. Langsam, Einstellung für Einstellung, nähert sich der Film der Landschaft und den Menschen, die hier leben. Sie teilen Geschichten aus anderen Tagen und Erinnerungen, die wie Geister die Gegenwart heimsuchen. In scheinbar beiläufigen Beobachtungen wird ein Lebensgefühl spürbar. Klara, Dino und die Familie Likic bewegen sich zwischen Alltag und der Suche nach Beschäftigung. In einer kleinen ehemaligen Bergwerkstatt, die zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und später in den Beginnen des Titoismus ihre Blütezeit erfuhr, liegt heute ein Schleier der Stagnation. Kaum kann sich die Stadt selbst nach über 20 Jahren nach dem Bosnienkrieg von den Folgen erholen. Jeder zweite arbeitsfähige Bewohner hat keine Beschäftigung. Die Löhne liegen weit unter einem benötigten Betrag und stets ist es ungewiss, ob und wann der nächste Lohn trotz Arbeitsvertrag eintreffen wird. Ungeachtet ist auch dieser Ort, wie jeder andere bewohnte Ort, mit intimen Geschichten, Erinnerungen und Wünschen Verknüpft. Er ist und bleibt die Heimat seiner Bewohner und seiner Aussiedler.

Gast: Marko Mijatovic

13. Dokumentarfilmwoche Hamburg
06.04.2016 20:00
Dokumentarfilmwoche Hamburg

Kurzfilmprogramm

Of Stains, Scrap & Tires (Hamburger Premiere)
Sebastian Brameshuber (R), Klemens Hufnagl (K), AUT/FR 2014, 19 min, dt./engl. OmeU

Fest in der Kurve haftend und doch leicht, lautlos schwebend wie ein Schatten – so lobte Bertolt Brecht das Fahrgefühl in einem Automobil der Steyr-Werke. Am Erzberg in der Steiermark gehen drei Männer ihrer Arbeit nach: Am Handy wird nach Gebrauchtwagen für den Ankauf gesucht, Ersatzteile werden eingelagert, Pkws für den Seetransport nach Afrika vorbereitet. Laubblätter und Staub decken die zurückgebliebenen Karosserien zu, ihr Blech ist vom Rost neu eingefärbt. Präzise ins Bild gesetzte Details erzählen von der besonderen Rolle, die das Auto in unserer Welt und ihrer Wirtschaft spielt.

Gast: Sebastian Brameshuber

Infos: http://www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/2190

Baba Evi
Akin Sipal (R), Yannick Kaftan (K), D/TRK 2015, 25 min, OmU

„Das Haus meiner Väter in Adana ist ein generationenübergreifendes Friedensangebot.“ Ein Ort, an dem sich lose Erzählungen und Erinnerungen zu einer Familiengeschichte verweben lassen: Die eines Vaters, der die Türkei in Richtung Deutschland verlassen hat. Die eines Großvaters, der ganz für die Sprache und ihre bewahrende Kraft lebt, sich aber nicht selbst dokumentieren lassen will. Und die des Filmemachers selbst, der Ton- und Bildaufnahmen zu seiner eigenen Filmsprache verdichtet, in der die Hoffnung auf Orientierung ebenso ihren Ausdruck findet wie die bleibende Leerstelle. Ein Übersetzer, der nicht interviewt werden will; der ein Schriftsteller ist und lieber Schriftsteller sein will, als Vater; der aber Vater ist. Dessen Sohn, der kein Schriftsteller ist, sondern Psychologe und radikaler Konstruktivist; der ein guter Vater sein will; der seinen Sohn zum Schriftsteller erzieht? Ein Film der die Beziehungsrelationen dreier Generationen Männer abzubilden versucht, die in all ihrer Unterschiedlichkeit fundamentale Gemeinsamkeiten pflegen:
Eine Affinität zur Sprache und ein gemeinsames Haus in Adana.

Gast: Akin Sipal

Stadt der Elefanten
Marko Mijatovic (R), Paul Spengemann (K), D 2015, 29 min, OmU

Dichter Schneefall schiebt sich vor den Horizont. Das Weiß bedeckt schroffe Felswände und Tannenwälder, Straßen und Hausdächer. Eine Ortsbegehung im tiefsten Winter: Vareš liegt in den bosnischen Bergen, einst florierte hier der Bergbau. Doch Krieg und ethnische Konflikte haben die Stadt für immer verändert. Langsam, Einstellung für Einstellung, nähert sich der Film der Landschaft und den Menschen, die hier leben. Sie teilen Geschichten aus anderen Tagen und Erinnerungen, die wie Geister die Gegenwart heimsuchen. In scheinbar beiläufigen Beobachtungen wird ein Lebensgefühl spürbar. Klara, Dino und die Familie Likic bewegen sich zwischen Alltag und der Suche nach Beschäftigung. In einer kleinen ehemaligen Bergwerkstatt, die zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und später in den Beginnen des Titoismus ihre Blütezeit erfuhr, liegt heute ein Schleier der Stagnation. Kaum kann sich die Stadt selbst nach über 20 Jahren nach dem Bosnienkrieg von den Folgen erholen. Jeder zweite arbeitsfähige Bewohner hat keine Beschäftigung. Die Löhne liegen weit unter einem benötigten Betrag und stets ist es ungewiss, ob und wann der nächste Lohn trotz Arbeitsvertrag eintreffen wird. Ungeachtet ist auch dieser Ort, wie jeder andere bewohnte Ort, mit intimen Geschichten, Erinnerungen und Wünschen Verknüpft. Er ist und bleibt die Heimat seiner Bewohner und seiner Aussiedler.

Gast: Marko Mijatovic

13. Dokumentarfilmwoche Hamburg
06.04.2016