MITTEN IM MALESTREAM RICHTUNGSSTREITS IN DER NEUEN FRAUENBEWEGUNG
GenreDokumentarfilm
RegieHelke Sander
LandDE
Jahr2005
Länge92 min
Es geht um Kernfragen der neuen Frauenbewegung, um das, was sich durchgesetzt hat und ums Vergessen: Um Mütterpolitik, um Männer als Väter, die 218-Kampagne, den real existierenden Gebärstreik, um die politische
Auseinandersetzung mit den beiden Kirchen.
In Anwesenheit von Helke Sander.
Worum geht’s es in MALESTREAM?
Heute weiss kaum mehr jemand, dass die Frauenbewegung 1968 mit dem Anliegen anfing, die Gesellschaften so zu verändern, dass Frauen darin Kinder gebären können, ohne selber dadurch Nachteile zu haben und ins Abseits zu geraten. Diese Anfänge waren international und antipatriarchal. Die beginnende neue Frauenbewegung fühlte sich verbunden mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Armut. Die Frauen damals fragten sich: Was eint uns, was trennt uns? In welcher Weise profitieren wir in den westlichen Ländern von den herrschenden (Ohn)Machtsverhältnissen? Wie lässt sich die Arbeit gegen Ausbeutung mit der Arbeit gegen das Patriarchat verbinden? Was ist Gleichberechtigung, was ist Befreiung? Das waren Fragen, die politisch beantwortet werden wollten und die schon Anfang der siebziger Jahre zu lähmenden Krisen führten. Als Alice Schwarzer 1971 die 218 – Kampagne von Frankreich nach Deutschland brachte, nahmen die vielen bestehenden Gruppen dies erleichtert auf, sie gab ein gemeinsames Ziel und befreite wenigstens vorübergehend von unbeantworteten Fragen. Die Bewegung hatte ungeheuren Zustrom und die vielfältige Praxis der beteiligten Frauen veränderte das Bild der Bundesrepublik und machte sie demokratischer.
Zweierlei blieb allerdings auf der Strecke: Theoretisches Arbeiten bekam etwas Anrüchiges und Frauen mit Kindern gerieten in die Minderheit mitsamt ihren Fragen zur Frauengrundsituation, der Gebärfähigkeit. Die inzwischen durchgesetzte “Pille“ machte es möglich, dass sich junge Frauen zum ersten mal in der Geschichte um sich selber kümmern konnten, sie mussten nicht mehr schwanger werden, sie wurden es auch nicht und so gerieten Mütterpolitik, Kinderpolitik, Gebärstreik, die Auseinandersetzung mit den christlichen Kirchen und das Nachdenken über neue stabile Lebensformen für Kinder und Erwachsene trotz weniger monogamer Sexualität ins Abseits. Dieser Mangel oder auch: diese Realitätsferne trieb auch Frauen aus der Bewegung wieder hinaus. Manche gingen in die etablierten, andere in die neu entstehenden Parteien, in kleine selbständig arbeitende Gruppen oder auch in die RAF. Diese Flucht aus der Bewegung heraus bei gleichzeitigem dauernden Zulauf zu ihr blieb aber den meisten Beteiligten und besonders der Öffentlichkeit verborgen. Die daraus entstehenden Konflikte kamen nur noch in Abständen und in vereinzelten Ausbrüchen an die Oberfläche.
Über einige dieser Konflikte erzählt der Film.
H.S.
fotos und infos: www.helke-sander.de
MITTEN IM MALESTREAM RICHTUNGSSTREITS IN DER NEUEN FRAUENBEWEGUNG
Helke Sander, DE 2005, 92min
Es geht um Kernfragen der neuen Frauenbewegung, um das, was sich durchgesetzt hat und ums Vergessen: Um Mütterpolitik, um Männer als Väter, die 218-Kampagne, den real existierenden Gebärstreik, um die politische
Auseinandersetzung mit den beiden Kirchen.
In Anwesenheit von Helke Sander.
Worum geht’s es in MALESTREAM?
Heute weiss kaum mehr jemand, dass die Frauenbewegung 1968 mit dem Anliegen anfing, die Gesellschaften so zu verändern, dass Frauen darin Kinder gebären können, ohne selber dadurch Nachteile zu haben und ins Abseits zu geraten. Diese Anfänge waren international und antipatriarchal. Die beginnende neue Frauenbewegung fühlte sich verbunden mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Armut. Die Frauen damals fragten sich: Was eint uns, was trennt uns? In welcher Weise profitieren wir in den westlichen Ländern von den herrschenden (Ohn)Machtsverhältnissen? Wie lässt sich die Arbeit gegen Ausbeutung mit der Arbeit gegen das Patriarchat verbinden? Was ist Gleichberechtigung, was ist Befreiung? Das waren Fragen, die politisch beantwortet werden wollten und die schon Anfang der siebziger Jahre zu lähmenden Krisen führten. Als Alice Schwarzer 1971 die 218 – Kampagne von Frankreich nach Deutschland brachte, nahmen die vielen bestehenden Gruppen dies erleichtert auf, sie gab ein gemeinsames Ziel und befreite wenigstens vorübergehend von unbeantworteten Fragen. Die Bewegung hatte ungeheuren Zustrom und die vielfältige Praxis der beteiligten Frauen veränderte das Bild der Bundesrepublik und machte sie demokratischer.
Zweierlei blieb allerdings auf der Strecke: Theoretisches Arbeiten bekam etwas Anrüchiges und Frauen mit Kindern gerieten in die Minderheit mitsamt ihren Fragen zur Frauengrundsituation, der Gebärfähigkeit. Die inzwischen durchgesetzte “Pille“ machte es möglich, dass sich junge Frauen zum ersten mal in der Geschichte um sich selber kümmern konnten, sie mussten nicht mehr schwanger werden, sie wurden es auch nicht und so gerieten Mütterpolitik, Kinderpolitik, Gebärstreik, die Auseinandersetzung mit den christlichen Kirchen und das Nachdenken über neue stabile Lebensformen für Kinder und Erwachsene trotz weniger monogamer Sexualität ins Abseits. Dieser Mangel oder auch: diese Realitätsferne trieb auch Frauen aus der Bewegung wieder hinaus. Manche gingen in die etablierten, andere in die neu entstehenden Parteien, in kleine selbständig arbeitende Gruppen oder auch in die RAF. Diese Flucht aus der Bewegung heraus bei gleichzeitigem dauernden Zulauf zu ihr blieb aber den meisten Beteiligten und besonders der Öffentlichkeit verborgen. Die daraus entstehenden Konflikte kamen nur noch in Abständen und in vereinzelten Ausbrüchen an die Oberfläche.
Über einige dieser Konflikte erzählt der Film.