Der junge Afrikaforscher Albrecht Roscher aus Hamburg verschwindet 1860 in der Nähe des Nyassa-Sees, den er kurz zuvor entdeckt hatte. Er hatte gerade seine Doktorarbeit über die Nilquellen geschrieben und war mit einer Karawane ins Innere Afrikas aufgebrochen. Vom Forscherdrang getrieben, vom Tropenfieber geschwächt, mussten ihm die Menschen, denen er begegnete, oft im Verborgenen bleiben. Vor allem aber ihre geheimen Kulte, mit denen sich die Einwohner schon über Jahrhunderte gegen Eindringlinge zur Wehr gesetzt hatten und die noch heute wirksam sind. Keine zwei Generationen später werden in dieser Region Tausende, die sich mit Zauberwasser unverwundbar gemacht hatten, von den Kolonialtruppen niedergemäht.
„Lange hatte mich auch auf Grund ferner verwandtschaftlicher Bezüge das Schicksal Roschers interessiert, aber als vor einigen Jahren das gut recherchierte Buch des Holländers G.W. Heldring (The killing of Dr. Albrecht Roscher, Upfront, 2004) erschienen war, entschloss ich mich, seine Reise zu rekonstruieren und darüber einen Film zu machen. Was hat jene Generation von Wissenschaftlern zu diesen waghalsigen Unternehmungen veranlasst? Welches Bewusstsein hatten sie von den Menschen und ihrer Kultur, auf die sie stießen. War ihnen bewusst, dass sie die Vorläufer von Eindringlingen waren, die nur wenig später den ganzen Kontinent unterjochen sollten?“ (Gerd Roscher)
Gerd Roscher war von 1972 bis 2010 Professor für Dokumentarfilm und Video an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Schwerpunkte seiner Arbeiten sind essayistischer und experimenteller Dokumentarfilm und visuelle Anthropologie. Er wird zu Gast sein.
Kurze Schatten
Gerd Roscher, DE 2013, 58min
Der junge Afrikaforscher Albrecht Roscher aus Hamburg verschwindet 1860 in der Nähe des Nyassa-Sees, den er kurz zuvor entdeckt hatte. Er hatte gerade seine Doktorarbeit über die Nilquellen geschrieben und war mit einer Karawane ins Innere Afrikas aufgebrochen. Vom Forscherdrang getrieben, vom Tropenfieber geschwächt, mussten ihm die Menschen, denen er begegnete, oft im Verborgenen bleiben. Vor allem aber ihre geheimen Kulte, mit denen sich die Einwohner schon über Jahrhunderte gegen Eindringlinge zur Wehr gesetzt hatten und die noch heute wirksam sind. Keine zwei Generationen später werden in dieser Region Tausende, die sich mit Zauberwasser unverwundbar gemacht hatten, von den Kolonialtruppen niedergemäht.
„Lange hatte mich auch auf Grund ferner verwandtschaftlicher Bezüge das Schicksal Roschers interessiert, aber als vor einigen Jahren das gut recherchierte Buch des Holländers G.W. Heldring (The killing of Dr. Albrecht Roscher, Upfront, 2004) erschienen war, entschloss ich mich, seine Reise zu rekonstruieren und darüber einen Film zu machen. Was hat jene Generation von Wissenschaftlern zu diesen waghalsigen Unternehmungen veranlasst? Welches Bewusstsein hatten sie von den Menschen und ihrer Kultur, auf die sie stießen. War ihnen bewusst, dass sie die Vorläufer von Eindringlingen waren, die nur wenig später den ganzen Kontinent unterjochen sollten?“ (Gerd Roscher)
Gerd Roscher war von 1972 bis 2010 Professor für Dokumentarfilm und Video an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Schwerpunkte seiner Arbeiten sind essayistischer und experimenteller Dokumentarfilm und visuelle Anthropologie. Er wird zu Gast sein.